München soll Radlhauptstadt werden. Mit einer Gesamtlänge von über 1.200 km besitzt die Stadt schon heute ein Radverkehrsnetz, das etwa der Entfernung von München bis Stockholm entspricht. Die Infrastruktur in Deutschlands fahrradfreundlichster Metropole wird aber noch weiter ausgebaut und verbessert. Beispielsweise sollen mittelfristig 50% aller Einbahnstraßen für den Radverkehr in beiden Richtungen befahrbar sein.
Die wichtigsten Ausbau- und Verbesserungsmaßnahmen stellen wir hier vor:
Anfang Juli wurde eine weitere wichtige Lücke im Münchner Radlnetz geschlossen und der Fahrkomfort und auch die Verkehrssicherheit für Radfahrer in diesem Bereich deutlich verbessert: In der Brienner Straße wurden zwischen Türkenstraße und dem Platz der Opfer des Nationalsozialismus auf beiden Straßenseiten Radfahrstreifen eingerichtet. Die planerischen Vorarbeiten zur Umgestaltung der Brienner Straße in diesem Abschnitt li
efen seit Juni 2010. Dabei wurden auch weitergehende Maßnahmen, wie z.B. die bauliche Umgestaltung des gesamten Knotens, geprüft.
Als priorisierter Hauptroute des Münchner Radverkehrsnetzes lag auf der Brienner Straße in den Spitzenstunden (morgens / abends) der Anteil des Radverkehrs bei mehr als der Hälfte im Vergleich zum motorisierten Individualverkehr (MIV).
Durch die Verbesserungsmaßnahme ist der Verkehrsraum zwischen MIV und Radverkehr nun klar aufgeteilt, es werden sichere Räume für die Radlerinnen und Radler geschaffen und mögliche Unfallschwerpunkte entschärft.

Zum 1. Juni 2011 wurde nahezu in der gesamten Altstadt Tempo 30 eingeführt. Diese Geschwindigkeitsreduzierung dient zum einen der Steigerung der Aufenthaltsqualität sowie der Verkehrssicherheit in der Altstadt, d.h. für Anwohnerinnen und Anwohner und insbesondere für die vielen Besucherinnen und Besucher der Altstadt wird durch die Reduzierung der Geschwindigkeit das Bummeln, Flanieren und damit auch das Queren der Straßen sicherer und einfacherer. Zum andern ermöglicht Tempo 30 aber auch die Aufhebung von Einbahnstraßen für den Radverkehr. Den Anfang machten am 18. Juli 2011 die Falkenturmstraße, die Hildegardstraße und die Neuturmstraße. Mit der Öffnung des Radlstegs erfolgt eine weitere Freigabe für den Radverkehr, wodurch die Erreichbarkeit der Altstadt mit dem Fahrrad verbessert wird. Weitere acht Einbahnstraßen werden im 2. Halbjahr freigegeben, um das Radfahren in der Innenstadt noch attraktiver zu gestalten.
Im Stadtgebiet sind damit insgesamt 254 und somit 36 Prozent der zirka 700 Einbahnstraßen für Radler geöffnet. Ziel des Kreisverwaltungsreferates ist es, in den nächsten Jahren zirka 50 Prozent aller Einbahnstraßen für Radfahrer freizugeben. Voraussetzung für die Freigabe ist, dass in den Straßen Tempo 30 gilt und eine ausreichende Fahrbahnbreite für Begegnungsverkehr vorhanden ist beziehungsweise Ausweichmöglichkeiten, zum Beispiel in Form von Grundstückseinfahrten, zur Verfügung stehen.
Geplante Einbahnstraßenöffnungen für Radler:
Vom 9. Mai bis 7. Juni lief in München ein einzigartiger Verkehrsversuch. Es wurde eine Fahrspur in Richtung Osten für den Kfz-Verkehr gesperrt, um zu testen, wie sich der Verzicht zugunsten eines Radfahrstreifens in diesem Bereich auswirken würde. Mittels Markierung auf der Fahrbahn wurde für diesen Zeitraum die südliche Fahrspur als gemeinsame Bus- und Radspur ausgewiesen. Damit hat sich die referatsübergreifende Radverkehrs-Arbeitsgruppe „Engpässe und Netzlücken“ einer komplexen Verkehrsproblematik mit langer Historie angenommen. Eine mögliche Lösung der unbefriedigenden Verkehrssituation am Rotkreuzplatz ist die Anlage von Radfahrstreifen im Fahrbahnbereich. Diese können auf der Fahrbahn aber nur realisiert werden, wenn eine der drei Fahrspuren, die derzeit dem Kraftfahrzeugverkehr zur Verfügung stehen, aufgegeben wird. Die Einrichtung von Radfahrstreifen ist mit umfangreichen Umbaumaßnahmen verbunden. Daher sollte zunächst im Verkehrsversuch festgestellt werden, welche Folgen eine solche Neuaufteilung des Straßenraums hat und wohin sich möglicherweise der Verkehr verlagert. Jetzt werden von der Arbeitsgruppe Lösungsvorschläge unter Abwägung der Belange aller Verkehrsteilnehmer erarbeitet. Im Vordergrund steht dabei die Erhöhung der Verkehrssicherheit für den Fußgänger- und Radverkehr. Das Kreisverwaltungsreferat griff bei dem Versuch auf ein Instrument zurück, wie es andere Städte seit längerem erfolgreich praktizieren. Die Durchführung des Verkehrsversuchs am Rotkreuzplatz war ein Pilotprojekt und kann zukünftig als Vorbild für vergleichbare Fälle dienen.
